Geschichten für Betroffene und interessierte Nicht-Betroffene. Für mich eine Plattform zum öffentlichen Gedanken-Sortieren.
Samstag, 27. Februar 2021
tapfer weggeblinzelt
Sonntag, 14. Februar 2021
Grübelei
Übernächste Woche beginnt endlich mein Praktikum auf der Intensivstation, wovon ich hier in früheren Beiträgen schon lang und breit erzählt habe.
Endlich? Eigentlich möchte ich es am liebsten weiter vor mir herschieben. Ich bin auch sonst immer vor Praktika schon ordentlich aufgeregt, aber diesmal sogar schon Wochen vorher, obwohl ich momentan eigentlich noch durch die in diesem Semester recht zahlreichen Prüfungen abgelenkt sein sollte.
Schon jetzt - 8 Tage vorher - rechtfertige ich mich in meinem Kopf, sobald der Gedanke an die Famulatur aufkeimt, ständig dafür, dass ich dieses Praktikum machen will. Was will ich denn da? Als Rollstuhlfahrer? Als ob ich eines Tages mal Intensivmediziner werden wollen würde oder es überhaupt könnte. Ich habe Angst, die ganze Sache deutlich unterschätzt zu haben. Zum Zeitpunkt meiner Bewerbung habe ich nur daran gedacht, dort viel über komplexe Erkrankungen lernen zu können, die nicht nur einem Fachbereich zugeordnet werden können und es somit erlauben, etwas breiter gefächerte Inhalte kennenzulernen. Jetzt frage ich mich, warum mir nicht 'ne internistische Normalstation gereicht hat?
Naja, nun ist die Sache fest und ich werde so kurzfristig keinen Rückzieher machen. Es gibt ja auch eigentlich keinen Grund sich dafür zu rechtfertigen, dass man während seines Studiums trotzdem auch Fachbereiche kennenlernen will, die man schon für die zukünftige Zeit im Arbeitsleben ziemlich klar ausschließen kann.
An diesem Punkt stelle ich mir die Frage, ob ich mich als Nicht-Rollstuhlfahrer auch schon im Vorhinein so fehl am Platz auf so einer Station fühlen würde. Ähnlich geht´s mir nämlich in Bezug auf die Chirurgie. Klar, es gibt genügend Beispiele für rollstuhlfahrende Chirurgen, die Ihren Beruf problemlos durchführen können, aber allein bei einer Anfrage für ein Praktikum auf einer chirurgischen Station (einfach nur, um's mal kennenzulernen - ich glaube, ich möchte kein Chirurg werden) komme ich mir total realitätsfern vor und kann förmlich hören, wie der Verantwortliche sich denkt "Wie soll das denn bitte gehen, was will die denn hier?".
Und da hab ich's wieder, das altbekannte Problem mit dem sich-immer-wieder-beweisen-müssen und das ewige Suchen nach Alternativen und Kompensationsmöglichkeiten. Manchmal bin ich's echt leid. Aber letztendlich läuft diese Grübelei bisher mal wieder nur in meinem Kopf ab und 'nen handfesten Grund zum Sorgen machen gibt's ja gar nicht. Also - ich sollte mich wieder in mehr Gelassenheit üben.
Sonntag, 27. Dezember 2020
Es bleibt spannend
Donnerstag, 13. August 2020
Geduld, Zeit, Glaube, Hoffnung
Montag, 22. Juni 2020
Wind um Nichts?
Samstag, 21. Dezember 2019
mehr als nur 'ne Gehbehinderung
Mittwoch, 9. Oktober 2019
Gedanken
Momentan ist in meiner Gefühlswelt irgendwie der Wurm drin. Objektiv betrachtet geht es mir natürlich gut, ich habe kaum Grund, mich zu beklagen. Ich hatte schöne Ferien, bin froh so viel Zeit mit meiner Familie verbracht zu haben und natürlich bin ich nach wie vor erleichtert über mein bestandenes Physikum.
Aber trotzdem nagen zur Zeit Selbstzweifel und Neid mehr denn je an mir. Besonders in Bezug auf mein Äußeres finde ich Tausende verbesserungswürdige Stellen. Der Bauch könnte flacher sein, die Nase kleiner, die Oberschenkel schmaler, die Unterschenkel dicker, die Arme dünner, das Haar voller. Oh ja, mein aus unerfindlichen Gründen immer dünner und brüchiger werdendes Haar bereitet mir besonders Sorgen. Was für Luxusprobleme. Aber ich bekomme echt Panik bei der Vorstellung, in einem Jahr noch viel dünneres Haar zu haben, wenn das so weitergeht wie bisher (hoffentlich nicht). Dann vergleiche ich jedes Instagram-Bild, das ich sehe mit mir und erziele natürlich dabei nie zufriedenstellende Ergebnisse. In dieser Hinsicht ist der ganze Social-Media-Kram der größte Schrott.
Selbstverständlich könnte ich meinen Körper durch gesündere Ernährung und vor allem mit mehr Bewegung zumindest in einem gewissen Rahmen so 'formen', dass er mir besser gefällt. Warum ich das nicht mache? Keine Ahnung, wahrscheinlich aus Bequemlichkeit. Eine Fitnessstudiomitgliedschaft ist mir außerdem zu teuer und mein Handbike kann ich in meiner Uni-Stadt, wo ich während des Semesters nun mal die meiste Zeit verbringe, nicht unterstellen. Immerhin wird mir während der Physiotherapie körperlich Einiges abverlangt und ich habe immerhin so etwas Ähnliches wie ein Ergometer zu Hause, da bin ich tatsächlich auch recht diszipliniert, was regelmäßige Bewegung angeht.
Aber es geht nicht nur um mein Äußeres. Ich würde auch gern neue Leute kennenlernen; ich würde gern arbeiten gehen, um meinen Eltern nicht so auf der Tasche zu liegen und ich würde gerne endlich wieder ein Hobby haben, das mir Spaß macht, aber während des Semesters bleibt kaum Zeit. Zumindest ist es bei mir so, wie andere das hinbekommen ist mir ein Rätsel.
Ach ja, und dann sitze ich ja noch im Rollstuhl, falls es noch keiner mitbekommen hat, höhö. Der meiner Meinung nach einzige Punkt in meinem Leben, über den ich mich wirklich beschweren kann. Und selbst da hat's mich ja noch wirklich gut getroffen. Angeblich hat ja jeder sein Päckchen zu tragen. Und ich bin wirklich wirklich froh, dass es mir und meiner Familie so gut geht. Aber trotzdem fühle ich mich immer schlecht, wenn ich sehe, wie "gut" es Andere haben. Wahrscheinlich sind die mit ihrer Situation und ihrem Aussehen auch oft mal unzufrieden, aber ich werde trotzdem ständig neidisch. Und das Schlimmste: Ich bin dann ungewollt manchmal richtig fies und gönne niemandem etwas, wenn es mir selbst nicht so gut geht. Keine schöne Charaktereigenschaft und ich weiß auch selbst, dass ich so nicht sein will, aber das lässt sich ja nicht mal eben locker abschalten. Genauso, wie man nicht einfach anfangen kann, "sich selbst zu lieben".
Ich denke die meisten Dinge, die mich stören, kann ich tatsächlich nicht ändern. Das Einzige, was mir übrig bleibt, um mich von negativen Gedanken nicht komplett einnehmen zu lassen, ist die Sichtweise auf diese Dinge zu ändern. Das habe ich in Bezug auf meine Krankheit ja schon ein paar Mal ganz gut hinbekommen, aber ich habe das Gefühl, das immer wieder tun zu müssen. Man kommt nicht einfach irgendwann damit klar; man muss immer wieder daran arbeiten, damit klar zu kommen. Wie auch jeder andere Mensch, der irgendein Problem hat, das sich nicht von selbst auflöst.
Also noch einmal: ich bin absolut dankbar dafür, dass es mir so gut geht, ich bin auch -anders als das hier klingen mag- nicht dauerhaft traurig und unzufrieden, aber ich muss wieder neu lernen, mit mir und meiner Situation besser klar zu kommen. Und mir nicht ständig darüber Gedanken machen, dass andere Leute die schöneren Reisen machen, sportlicher und intelligenter sind, den attraktiveren Körper haben, oder einen Typen nach dem Anderen abbekommen. Klingt stumpf, aber genau so etwas denke ich mir.
Wird Zeit, dass die Uni wieder los geht und ich etwas Anständiges zu tun habe!
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Ja, ich habe eine Querschnittlähmung. Nein, ich hatte keinen Unfall. Meine Lähmung hat eine nicht-traumatische Ursache. Das heißt, sie is...
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Mehr als die Hälfte meiner Famulatur ist geschafft und ich mache mir schon wieder Gedanken darüber, welchen Kuchen ich zum Abschied mitbring...
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